Ein Paradies nicht nur für Vogelliebhaber: die münsteraner Rieselfelder, ein europäisches Naturschutzgebiet

Durch die immer dichter werdende Bebauung geraten immer mehr Vogelarten in Schwierigkeiten, weil ihnen der natürliche Lebensraum genommen wird. Besonders Wasser- und Watvögel sind von diesem Problem betroffen, da die von ihnen benötigten flachen Sumpf- und Wasserflächen immer mehr trocken gelegt werden, damit man sie landwirtschaftlich oder anderweitig nutzen kann.

Die Rieselfelder Münster

Das Europareservat Rieselfelder Münster wurde ursprünglich von Menschenhand geschaffen. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts benötigte die Stad zur Klärung der Abwässer ein weiteres Gebiet und entschied sich für ein Gelände circa sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Nach dem Bau einer neuen Kläranlage im Jahr 1975 wurden die Rieselfelder nicht mehr benötigt und zum Teil trockengelegt.

Eine Naturschutzinitiative und die Stadt Münster haben dann aus den noch bestehenden Rieselfeldern und wieder unter Wasser gesetzten neuen Flächen das Naturschutzgebiet geschaffen, welches für Zugvögel ein wichtiger Mauser- und Rastplatz ist. Auf einer Fläche von etwa 2,33 km², die aus flachen Seen, Sumpfflächen und Röhrichten besteht, bietet das Reservat einer Fülle von zum Teil stark bedrohten Tierarten eine ständige Zuflucht.

Reservat und Naturerlebnisgebiet

Das Reservat ist nicht in allen Teilen den Besuchern zugänglich, um einige besonders empfindliche Vogelarten nicht zu stören. Jedoch gibt es einen Rundwanderweg und viele Beobachtungsstationen, von denen aus man die verschiedenen Arten von Gänsen, Watvögeln, Enten, Schwänen, Tauchern, Schreitvögeln sowie Greifvögeln und Eulen beobachten kann. Die Artenvielfalt ist sehr groß, so dass man bei etwas Geduld auch sehr seltene Exemplare vor Augen bekommt. Die Mitarbeiter der betreuenden Biologischen Station helfen zudem gerne mit genaueren Auskünften über die Vogelarten weiter.

Wunderbare Naturerlebnisse warten auch im zweiten Teil der Rieselfelder, dem Naturerlebnisgebiet. Es wurde ursprünglich landwirtschaftlich genutzt und durch eine Anhebung des Grundwasserspiegels wieder unter Wasser gesetzt. So finden sich dort zwei Stauteiche sowie viele Feuchtwiesen. Brachgelände, Streuobstwiesen und kleine Gehölze wechseln sich damit ab, so dass eine sehr abwechslungsreiche Landschaft entstanden ist.

Ein zwölf Meter hoher Turm bietet einen fantastischen Ausblick auf die Rieselfelder, mehrere Beobachtungshütten erlauben es, die scheuen Bewohner in Ruhe zu beobachten, ohne sie zu stören. Das Netz von Rundwanderwegen lädt dazu ein, das Gebiet mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden und die vielfältige Flora und Fauna zu genießen, die neben den vielen Vogelarten auch Heckrinder, Amphibien, Libellen und andere Kleintiere zu bieten hat.

Und nach der Wanderung kann sich der erschöpfte Besucher in einem Bauerncafé, das in einem denkmalgeschützten alten Hof residiert, in aller Ruhe bei münsteraner Leckerbissen erholen.

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